Villa Nordstern

Die seit Jahren leer stehende Villa Nordstern erlangt zweifelhafte Berühmtheit im Internet. Videofilmer sind in den vergangenen Monaten mehrfach unerlaubt in das Gebäude eingedrungen. Ihre Aufnahmen stellten sie im Portal Youtube ein.

Mal ist es das unbeholfene und verwackelte Video von aufgeregten Jugendlichen, mal ein geradezu professionell aufgemachter Beitrag in Überblendtechnik: Wer bei Youtube das Stichwort „Villa Nordstern“ eingibt, mag seinen Augen kaum trauen. Dort beschäftigen sich eine ganze Reihe von Clips mit dem markanten, aber sanierungsbedürftigen Gebäude an der Iltener Straße.

Da sind Stimmen zu hören, in denen Mädchen sich gegenseitig Mut zusprechen, durch die Fenster zu klettern. Da machen Videofilmer einen Rundgang durch alle Stockwerke und halten ihre Kamera auf Details wie kaputte Waschbecken. Auch der Gang in den Keller und auf den Dachboden ist dokumentiert. Manchmal sind sogar Personen erkennbar. Einige der Filme wurden schon mehr als 1000-mal angesehen, einer gar rund 6500-mal.

Immer wieder wird die Villa Nordstern in Kommentaren als Spukhaus beschrieben – eines der Videos ist sogar mit der entsprechend düsteren Musik versehen. In einigen Kommentaren zu den Clips gibt es Hinweise, ob und wie es möglich ist, in die Villa einzudringen und welche Gegenstände in dem Haus herumliegen. Was die Filmer tun, ist kein Spaß. Es erfüllt vielmehr den Straftatbestand des Hausfriedensbruchs und in einigen Fällen auch der Sachbeschädigung. „Diese Einbrüche in die Villa Nordstern sind uns bekannt“, sagt ein Sprecher des Lehrter Polizeikommissariats. Allein im vergangenen Jahr habe der Eigentümer des Gebäudes sieben Anzeigen erstattet.

Mittlerweile kontrolliere man das Gelände um die Villa regelmäßig. Zwei der Eindringlinge seien der Polizei sogar bekannt.

Seit März 2004 gehört die Villa Nordstern einem Privatmann – ebenso lang ist die Frage offen, ob und wann die geschichtsträchtige Villa saniert wird. Die Auseinandersetzung zwischen dem Eigentümer und der Stadt Lehrte trägt mittlerweile groteske Züge.
Die Verwaltung will die Sanierung durch eine sogenannte Verfügung im Sinne des Denkmalschutzes erzwingen. Der Käufer der Villa, der lange Zeit nicht auffindbar war, hat die Immobilie mittlerweile seinem Sohn überschrieben. „Die rechtliche Auseinandersetzung dauert an. Zurzeit gibt es da keine Bewegung“, sagte Baudezernent Burkhard Pietsch.

Jetzt mal Klartext: Wer sich durch verbarrikadierte Fenster und Türen einen Zugang zur Villa Nordstern verschafft, ist kein mutiger Held im finsteren Spukhaus. Er ist ein Straftäter. Da mag es noch so reizvoll sein, seine Touren durch das vermeintlich unheimliche, marode Gemäuer zu dokumentieren und sich damit in der Welt des Internets zu produzieren: Einbruch bleibt Einbruch – diese Tatsache ändert sich auch durch 6000 Klicks auf dem Internetportal Youtube nicht.

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