Mythen

Ein Mythos (mask., von altgr. μῦθος = Laut, Wort, Rede, Erzählung, sagenhafte Geschichte, Mär, lat. mythus, Pl.: Mythen) ist eine erzählerische Verknüpfung von Ereignissen. In der Neuzeit hat der Begriff einen erheblichen Bedeutungswandel erfahren. Er wird in der Gegenwart für eine Erzählung verwendet, die Anspruch auf Geltung erhebt (Ideologie). Je nach Standpunkt ist diese Geltung berechtigt (auf Tradition oder Konsens gestützt) oder unberechtigt (als Gerücht oder Lügengeschichte). – Eine bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gebräuchliche, heute seltene Verdeutschung ist „die Mythe“ als weiblicher Singular.

Bei Aristoteles hat „Mythos“ eine erzähltechnische Bedeutung, die von konkreten Inhalten unabhängig ist. Im Humanismus der frühen Neuzeit und im Neuhumanismus des 18./19. Jahrhunderts hat sich dagegen eine Vorstellung von Mythos als eines Grundlegenden und Urtümlichen herausgebildet, das mit antiken, seit etwa 1800 auch mit mittelalterlichen (und später auch mit außereuropäischen oder subkulturellen) Stoffen verbunden ist und die schwindende Autorität des Biblischen ersetzen konnte. Polemik gegen den Wahrheitsanspruch von Mythen gibt es seit Platon. Sie hat im 20. Jahrhundert zum Beispiel durch Roland Barthes eine Neufassung erfahren.

Impressum | Datenschutz | Sitemap
(c)Our-Mystical -World